Shilajit, auch Mumijo genannt, ist ein dunkelbrauner, harziger Stoff, der in Gebirgsregionen aus Felsspalten austritt. Er besteht überwiegend aus Huminstoffen, dazu kommen Mineralstoffe und eine Gruppe organischer Verbindungen, die Dibenzo-α-Pyrone. Als Nahrungsergänzung darf er in der EU verkauft werden. Eine Wirkung darf dabei auf keinem Etikett stehen, weil das Register der zugelassenen Angaben keinen Eintrag dazu kennt.

Kurz gesagt
- Shilajit und Mumijo sind zwei Namen für denselben Stoff aus Gebirgsgestein.
- Er besteht überwiegend aus Huminstoffen, in der Literatur meist mit 60 bis 80 Prozent angegeben. Der Rest sind Mineralstoffe.
- In Nahrungsergänzung ist Shilajit in der EU nicht neuartig. In jedem anderen Lebensmittel wäre er zulassungspflichtig.
- Im Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben gibt es keinen Eintrag zu Shilajit, Mumijo, Fulvin- oder Huminsäuren.
- Weil der Stoff aus Gestein stammt, gehören Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen ins Zertifikat jeder Charge.
Welche Wirkung hat Shilajit?
Auf dieser Seite steht keine, und auf einem Etikett darf auch keine stehen. Zulässig ist nur, was im EU-Register der zugelassenen gesundheitsbezogenen Angaben steht. Zu Shilajit, Mumijo, Fulvinsäure oder Huminsäuren enthält dieses Register keinen einzigen Eintrag. Damit gilt das Verbotsprinzip der Verordnung (EG) Nr. 1924/2006: Was nicht zugelassen ist, darf nicht behauptet werden.
Das gilt für jeden, der den Stoff verkauft, unabhängig davon, was Ayurveda ihm seit Jahrhunderten zuschreibt oder was einzelne kleine Studien untersucht haben. Beides kann eine Redaktion besprechen, die nichts verkauft. Ein Shop kann es nicht, auch nicht in einem Magazin. Deshalb steht hier, was der Stoff ist, woher er kommt und was im Zertifikat stehen muss. Beim Astaxanthin ist es dieselbe Lage mit 15 abgelehnten Anträgen.
Warum dieselbe Regel bei Kollagen zu vier abgelehnten Anträgen geführt hat und was dort stattdessen steht.
Was ist Shilajit?
Ein Naturstoff aus organischem und mineralischem Material. Er tritt in Gebirgsregionen wie dem Himalaya, dem Altai und dem Kaukasus aus Felsspalten aus, meist dunkelbraun bis schwarz, harzig, mit einem eigenen Geruch. Die EU-Kommission beschreibt ihn als komplexes Produkt, das weder in seiner Herkunft noch in seiner Zusammensetzung einheitlich definiert ist. Das macht ihn schwer vergleichbar.
Wie er entsteht, ist nicht abschließend geklärt. Die verbreitete Erklärung: Pflanzenreste sammeln sich über sehr lange Zeiträume in Felsspalten, werden von Mikroorganismen zersetzt und verdichten sich mit dem Gestein zu einer teerartigen Masse. Ob dabei auch tierisches Material beteiligt ist, lässt die Kommission ausdrücklich offen. Sie ordnet den Stoff deshalb zwei Kategorien zugleich zu: Lebensmittel mineralischen Ursprungs und Lebensmittel aus Pflanzen.
Woher kommt Shilajit und wie wird es gewonnen?
Aus dem Gebirge, von Hand. Der Rohstoff wird aus Felsspalten gekratzt und enthält Gestein, Sand und Erde. Für ein Lebensmittel wird er gereinigt: in Wasser gelöst, gefiltert und wieder eingedickt oder getrocknet. Am Ende steht ein zähes Harz oder ein Pulver, und daraus werden Kapseln, Tropfen oder das Harz selbst in kleinen Gläsern.
Die Reinigung entscheidet mehr als der Fundort. Zwei Produkte aus derselben Region können sich stark unterscheiden, je nachdem, wie gründlich gefiltert wurde und was vom Gestein im Harz geblieben ist. Auf der Vorderseite steht davon nichts. Der Herkunftsname „Himalaya" beschreibt ein Gebirge von mehreren tausend Kilometern Länge und sagt über die einzelne Charge wenig.
Was steckt in Shilajit?
Vor allem Huminstoffe. Das sind organische Verbindungen, die beim Abbau von Pflanzenmaterial entstehen, darunter Huminsäuren und die kleinere, wasserlösliche Fulvinsäure. In der Literatur wird ihr Anteil meist mit 60 bis 80 Prozent angegeben. Der Rest sind Mineralstoffe und Spurenelemente aus dem Gestein. Dazu kommen die Dibenzo-α-Pyrone, eine kleine Gruppe organischer Verbindungen, die als Kennzeichen für Shilajit gilt.
| Bestandteil | Was es ist | Wo es auf dem Produkt auftaucht |
|---|---|---|
| Huminsäuren | große, schwer lösliche Huminstoffe aus dem Pflanzenabbau | selten einzeln angegeben |
| Fulvinsäure | kleinere, wasserlösliche Fraktion der Huminstoffe | oft als Prozentzahl auf der Vorderseite |
| Dibenzo-α-Pyrone | organische Verbindungen, typisch für Shilajit | so gut wie nie auf dem Etikett |
| Mineralstoffe und Spurenelemente | Anteil aus dem Gestein, schwankt je Fundort | in der Nährwerttabelle nur, wenn eine Menge angegeben ist |
| Blei, Cadmium, Quecksilber, Arsen | Begleitstoffe aus dem Gestein, keine Zutat | nur im Analysezertifikat der Charge |
Die Zusammensetzung schwankt mit Fundort, Alter und Reinigung. Die Anteile stammen aus der Übersichtsarbeit von Agarwal et al. (2007) und beschreiben kein bestimmtes Produkt.
Die auffälligste Zahl auf vielen Packungen ist der Fulvinsäure-Gehalt, oft 60, 70 oder 75 Prozent. Für diese Zahl gibt es kein einheitliches Messverfahren. Verschiedene Methoden zählen unterschiedliche Fraktionen mit, und dieselbe Probe kann je nach Verfahren sehr verschiedene Werte liefern. Ohne das Verfahren daneben ist die Prozentzahl deshalb keine Vergleichsgröße. Sie ist eine Behauptung.
Ist Shilajit in der EU zugelassen?
In Nahrungsergänzungsmitteln ja, in allen anderen Lebensmitteln nicht ohne Zulassung. Festgestellt hat das Deutschland 2020, veröffentlicht hat es die EU-Kommission. Für eine Verwendung vor dem 15. Mai 1997 fand Deutschland keinen Beleg, Tschechien aber meldete den Einsatz in Nahrungsergänzung vor diesem Datum. Deshalb gilt Shilajit dort als nicht neuartig, in Riegeln, Tees oder Getränken als Novel Food.
Der Stichtag ist die Grenze der Novel-Food-Verordnung. Was vor dem 15. Mai 1997 in nennenswertem Umfang in der EU gegessen wurde, gilt als bekannt. Alles andere braucht eine Zulassung mit Sicherheitsbewertung. Bei Shilajit hängt die Antwort also an einer Meldung aus Tschechien, und sie gilt nur für die eine Produktkategorie. Ein Shilajit-Tee wäre ein anderer Fall.
Worauf achtest Du im Zertifikat?
Auf die vier Schwermetalle, mit Verfahren und Bestimmungsgrenze. Shilajit kommt aus Gestein, und Gestein enthält Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen in schwankenden Mengen. Für Nahrungsergänzungsmittel legt die Verordnung (EU) 2023/915 Höchstgehalte fest. Ob eine Charge sie einhält, zeigt nur das Analysezertifikat zu genau dieser Charge, und nur, wenn dort das Verfahren und die Bestimmungsgrenze mit angegeben sind.
| Element | Höchstgehalt in Nahrungsergänzung | Verfahren |
|---|---|---|
| Blei (Pb) | 3,0 mg/kg | ICP-MS |
| Cadmium (Cd) | 1,0 mg/kg | ICP-MS |
| Quecksilber (Hg) | 0,10 mg/kg | ICP-MS |
| Arsen (As) | kein EU-weiter Höchstgehalt für diese Matrix, es gilt die Spezifikation des Herstellers | ICP-MS |
Höchstgehalte nach Anhang I der Verordnung (EU) 2023/915 für Nahrungsergänzungsmittel. Für Cadmium gilt ein höherer Wert nur für Erzeugnisse, die überwiegend aus getrockneten Algen bestehen. Maßgeblich ist der Wortlaut der Verordnung.
Ein Aufdruck wie „heavy metal controlled" oder „laborgeprüft" ist kein Messwert. Er sagt, dass jemand geprüft hat, aber weder was noch wann noch mit welcher Bestimmungsgrenze. Das Zertifikat sagt es. Steht dort „< 0,01 mg/kg", lag der Wert unter der Bestimmungsgrenze des Verfahrens, und die Zahl lässt sich nachvollziehen.
Was Nachweisgrenze, Bestimmungsgrenze und „< 0,01 mg/kg" im Zertifikat bedeuten und warum das Verfahren mit dabeisteht.
- Mumijo
Der russische und zentralasiatische Name für Shilajit. Die EU-Kommission führt beide als Synonyme, dazu „Asphaltum panjabinum". Nicht zu verwechseln mit „Mumia", einem Pulver aus Mumien, das früher als Heilmittel gehandelt wurde.
- Huminstoffe
Organische Verbindungen, die beim Abbau von Pflanzenmaterial entstehen, in Böden ebenso wie in Shilajit. Sie werden nach Löslichkeit in Huminsäuren und Fulvinsäure unterteilt.
- Fulvinsäure
Die kleinste, wasserlösliche Fraktion der Huminstoffe. Ihr Anteil wird auf Shilajit-Produkten oft in Prozent angegeben. Ein einheitliches Messverfahren dafür gibt es nicht.
- Dibenzo-α-Pyrone
Eine Gruppe organischer Verbindungen, die für Shilajit als typisch gilt und in der Beschreibung der EU-Kommission ausdrücklich genannt wird.
- Novel Food
Ein Lebensmittel, das vor dem 15. Mai 1997 in der EU nicht in nennenswertem Umfang verzehrt wurde. Es braucht eine Zulassung nach der Verordnung (EU) 2015/2283, bevor es verkauft werden darf.
Häufige Fragen
Ist Shilajit dasselbe wie Mumijo?
Im Lebensmittelrecht ja. Die EU-Kommission führt Mumijo, Shilajit und Asphaltum panjabinum als Namen für denselben Stoff. In der Literatur wird gelegentlich nach Fundort unterschieden. Auf dem Etikett zählt die Bezeichnung im Zutatenverzeichnis, und die lautet meist Shilajit oder Mumijo.
Darf Shilajit in Deutschland verkauft werden?
Als Nahrungsergänzungsmittel ja. In dieser Kategorie gilt der Stoff seit der Feststellung von 2020 als nicht neuartig. Für alle anderen Lebensmittel gilt er als Novel Food und bräuchte eine Zulassung. Was auf der Packung stehen muss, regelt dann das übliche Kennzeichnungsrecht.
Was bedeutet „75 % Fulvinsäure" auf der Packung?
Dass ein Labor mit irgendeinem Verfahren einen Anteil bestimmt hat. Welches Verfahren, steht meist nicht dabei, und die Verfahren liefern unterschiedliche Zahlen. Vergleichbar ist die Angabe nur mit Verfahren. Über Reinigung, Schwermetalle oder Wirkung sagt sie nichts.
Wie viel Shilajit am Tag?
Das sagt die Verzehrempfehlung des Herstellers auf der Packung, und sie ist eine Pflichtangabe. Eine eigene Zahl nennt dieser Beitrag nicht. Ob und wie viel für Dich sinnvoll ist, gehört in ein ärztliches Gespräch.
Was Du an einem Shilajit-Produkt prüfen kannst
Drei Dinge, alle auf der Rückseite oder im Zertifikat. Die Bezeichnung im Zutatenverzeichnis und die Verzehrempfehlung. Ob die Fulvinsäure-Angabe ein Verfahren nennt. Und das Analysezertifikat der Charge, mit Blei, Cadmium, Quecksilber und Arsen, jeweils mit Verfahren und Bestimmungsgrenze. Was die Vorderseite sonst erzählt, ist Verpackung.
Wie ein Analysezertifikat aufgebaut ist und woran Du erkennst, dass es zu Deiner Charge gehört.
Quellen
- [1]Konsultationsverfahren zur Feststellung des Novel-Food-Status nach Art. 4 der Verordnung (EU) 2015/2283: Mumijo (Synonyme Shilajit, Asphaltum panjabinum), Empfänger-Mitgliedstaat Deutschland, 2020. (Europäische Kommission) Quelle öffnen — abgerufen am 03. September 2026
- [2]Verordnung (EU) 2015/2283 über neuartige Lebensmittel. (EUR-Lex) Quelle öffnen — abgerufen am 03. September 2026
- [3]Verordnung (EG) Nr. 1924/2006 über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben über Lebensmittel, konsolidierte Fassung vom 13.12.2014. (EUR-Lex) Quelle öffnen — abgerufen am 03. September 2026
- [4]Verordnung (EU) 2023/915 über Höchstgehalte für bestimmte Kontaminanten in Lebensmitteln, Anhang I. (EUR-Lex) Quelle öffnen — abgerufen am 03. September 2026
- [5]Agarwal SP, Khanna R, Karmarkar R, Anwer MK, Khar RK: Shilajit: a review. Phytotherapy Research 21 (5), 2007, S. 401–405. (Wiley) Quelle öffnen — abgerufen am 03. September 2026
Autor

Mert Sirin
Mert Sirin hat supnature gegründet und verantwortet Sortiment und Redaktion. Er arbeitet mit den Analysezertifikaten der eigenen Chargen und schreibt im Magazin über Kennzeichnung, Messwerte und Laborprüfung.
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